Selektionspool in der Praxis: Wie wende ich den Selektionspool an, um EU-Lieferschwellen zu überwachen?

Der Selektionspool ist ein enorm vielseitiges Werkzeug, setzt jedoch auch eigene Ideen und Vorstellungen für seine Anwendung voraus. Ein möglicher Anwendungsfall ist gegeben, wenn Lieferschwellen für EU-Lieferungen überwacht werden sollen.

Zunächst einmal: Was sind Lieferschwellen?

Liefern Sie innerhalb der Europäischen Union Waren an Privatpersonen, folgt diese Lieferung anderen Regeln als die Lieferung asn Unternehmen.
Als liefernder Unternehmer können bis zu einer bestimmten Umsatzhöhe (Lieferschwelle), die Umsatzsteuer des eigenen Staates in Rechnung stellen und abführen.
Überschreitet der Umsatz diese Grenze, müssen Sie sich im Staat des Endkunden umsatzsteuerlich registrieren lassen und dort Umsatzsteuer abführen.
Tabellen der Lieferschwellen werden regelmäßig veröffentlicht.
Hier ein Beispiel:
Zusätzlich gelten Erwerbsschwellen. Wird die Erwerbsschwelle überschritten, muss sich die Betreffende Person (Verein, Kleinunternehmer etc.) als Unternehmen mit Umsatzsteueridentnummer registrieren lassen und ist für die Erwerbssteuer selbst zuständig.
In WEBWARE/BüroWARE erhalten Unternehmen mit Umsatzsteueridentnummer die Erlöszuordnung „1“ – Lieferungen an Abnehmer mit Umsatzsteueridentnummer.
Privatpersonen und Kleinunternehmen ohne Umsatzsteueridentnummer erhalten die Kennung „2“ – Lieferungen an Abnehmer ohne Umsatzsteueridentnummer – Besteuerung im Ursprungsland.
Wird die Lieferschwelle in ein EU-Land überschritten, muss eine Besteuerung im Bestimmungsland erfolgen. Kunden ohne Umsatzsteueridentmummer müssen dann auf die Erlöszuordnung „4“ – Lieferungen an Abnehmer ohne Umsatzsteueridentnummer – Besteuerung im Bestimmungsland umgestellt werden.

Wie kann nun die Lieferschwelle geprüft werden?

Nutzen Sie dafür, wie bereits vorab erwähnt, den Selektionspool.
Erstellen Sie einen neuen Selektionspool, der mindestens die Angaben  Kunde, Land und aufgelaufener Umsatz enthält.
Stellen Sie in den Eigenschaften für das Feld „Land“ „Sortieren und Gruppe bilden“ und für den Umsatz „Summieren“ ein.
Als Umsatz steht Ihnen das Feld „Umsatz aufgelaufen aktuelles Jahr“ zur Verfügung.
Fügen Sie nun Adressen zum Selektionspool hinzu.
Für das Hinzufügen richten Sie eine individuelle Selektion ein.
Es sollten alle Adressen hinzugefügt werden, die
  • nicht aus Deutschland sind
  • einen Umsatz > 0 Euro haben und
  • die Erlösart 2 (also Besteuerung im Ursprungsland) aufweisen.

Nach dem Ausführen werden die Adressen hinzugefügt.

Stellen Sie sicher, dass die Gruppierung auch aktiv ist (Menü „Allgemein – Eigenschaften“:

Dort können die Gruppierung nochmals aktiviert und auch die Daten neu geladen werden.

Sie erhalten nun eine klare Information über die betreffenden Umsätze und können dadurch die Lieferschwellen prüfen.
Beachten Sie jedoch auch, dass ggf. einige Lieferungen direkt im Bestimmungsland zu steuern sind.
Auskünfte darüber kann ihnen sicher ein Steuerberater oder auch die zuständige IHK geben.

Achtung: Beachten Sie auch die Sonderfälle

Es kann durchaus sein, dass Lieferungen an eine Adresse im Inland berechnet werden, letztlich aber die Lieferung direkt in ein EU-Land erfolgt.
Wenn solche Lieferungen mit in die Berechnung einfließen sollen, dann lässt sich die Variante über den Selektionspool der Adressen nicht nutzen.
Alternativ könnte auch der Selektionspool der Belege zum Einsatz kommen.

Besprechen Sie unbedingt mit dem zuständigen Steuerberater, ob diese Lieferungen als EU-Lieferungen mit Besteuerung im Ursprungsland zu betrachten und in die Lieferschwellenberechnung mit einzubeziehen sind.

Hier ein Beispiel für eine solche Lieferung:

Ein Inlandskunde kann eine EU-Lieferadresse haben. In diesem Falle kann die Lieferadresse als bestimmend für die Steuerberechnung eingerichtet werden.

Wenn es solche Lieferungen gibt, dann könnet der Selektionspool der Belege für die Berechnung der Lieferschwellen herangezogen werden.

Da im Beleg die Erlösart vermerkt ist, erfolgt die Selektion der Belege nach diesem Kriterium (sowie nach Belegart und -zeitraum).

Im Ergebnis werden auch Lieferungen mit Erlösart „2“ im Selektionspool aufgeführt, die an eine Inlandsadresse berechnet wurden.

 

 

 

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